Zwinger
Züchten bedeutet: Mit heißem
Herzen und klarem, ja kühlem Verstand handeln. Nur in dieser Mischung kann man
ein verantwortungsvoller Züchter sein.
Das sagt sich leichter, als
es ist.
„Als unsere Hündin Cosima vom
Puschen zu uns kam, da haben wir uns in ihren Charakter so verliebt, dass wir
uns entschlossen, Züchter zu werden, nachdem sie auf der Ausstellung in
Pofendorf auch noch einen ersten Preis gemacht hatte...”
So rührend war es bei mir
nicht. Ich bin mit Hunden groß geworden: mit quirligen Jagdterriern, herben
Deutsch Drahthaar, scharfen Deutschen Schäferhunden und eben auch gewaltigen
Pyrenäenberghunden, die noch echte Arbeitshunde waren. Meine Kindheit kann ich
ohne Hunde gar nicht erinnern.
Lange Jahrzehnte hatte ich
keine Zeit für Hunde. Dann setzte ich mich zur Ruhe Doch die Erinnerung wollte
nicht weichen. Ich traf keine Malamuts auf der Hundeausstellung, lief aber in
eine Gruppe von Pyris rein. Tja, da war die Vergangenheit wieder da, wenn auch in
deutlich gemäßigter Form. Aber ich hatte mich ja auch abgeschliffen.
Nach dem Einschläfern des
dritten Pyris aufgrund von Erbkrankheiten packte mich der heilige Zorn. Eine
Rasse, die ich in Kindheit und Jugend als Inbegriff der Gesundheit, der
psychischen Stabilität und des unverwüstlichen Kämpfertums kennen gelernt
hatte, schien mir nur noch ein Schatten ihrer glorreichen Vergangenheit zu
sein. Ich begann, mich mit der Rasse und ihren Problemen auseinanderzusetzen.
Ich begann, fachwissenschaftliche und populärwissenschaftliche Bücher zu lesen,
mir Pyris in Frankreich, Spanien, Italien und Skandinavien anzusehen, verglich
sie, erarbeitete mir Zuchtlinien und kaufte Pyrenäenberghundwelpen, deren
wunderbares Wesen bald die Herzen aller Familienmitglieder zu erobern
vermochte.
Die Idee, selbst eine Zucht
aufzubauen, war geboren, die Familie begeistert.
Philosophie