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Der Pyrenäenberghund

Vom Molosser soll er abstammen und gar vom Bronzehund, der Pyrenäenberghund. Toll. Und wir stammen alle von Adam und Eva ab, und die Erde ist eine Scheibe. Klar doch!

Also, der Bronzehund hatte etwa Spitz-Größe, lebte vor 3000 Jahren und der Molosser, von dem niemand genau weiß, woher er kam, ist auf Reliefs abgebildet, die ebenfalls so etwa aus der Zeit 1000 v.Chr. stammen. Vermutlich hatte Alexander der Große (300 v.Chr.) Hunde dieses Schlages aus dem iranisch-indischen Raum nach Mazedonien mitgebracht. Der Molosser jedenfalls hat vom Erscheinungsbild, vom Phänotyp her mit den Pyris soviel Ähnlichkeit wie Tutenchamun mit Frau Meier. Der Phänotyp gibt überhaupt keinen Anlass, den Pyrenäenberghund mit den molossoiden Rassen in eins zu setzen. Doch Halt: Es gibt Pyrenäenschläge, die aus dem Westen der Pyrenäen stammen, die eine schwerere Schnauze und einen runderen Kopf haben, als die klassischen Pyrenäenberghunde aus dem östlichen, mediterranen Teil der Pyrenäen, deren Phänotyp lupoid (=Wolfs ähnlich) ist. Bei den West Pyrenäen sind tatsächlich ein paar molossoide Anklänge, die nahe legen könnten, dass in deren Abstammungslinien einige molossoide Hunde – vielleicht aus Spanien – eine Mitwirkung an den lokalen Schlägen der Rasse gehabt haben. Wer weiß das schon so genau?

Der französische Standard aber gibt eindeutig einen anderen Phänotyp vor: den lupoiden, den Wolfstyp.

Aber letzten Endes ist das mehr eine Geschmackssache, als von wirklicher Bedeutung. Die FCI-Klassifizierung als „Molosser“  ist ganz und gar blödsinnig, wie leider so vieles, was im Rahmen des FCI unseren Rassehunden angetan wird, eher reiner Willkür und vorwissenschaftlichen Mythen verpflichtet zu sein scheint und auch nach einem Jahrhundert nicht korrigiert wird. Aber das passt zu der aufgeblasenen Pseudosachkunde, die in vielerlei Hinsicht das Zuchtgeschehen um unsere Rassehunde durchzieht wie ein metastasierendes Krebsgeschwür.

Das ausgerechnet der zuständige Rassehundverein des VdH in Deutschland diese Unsinnigkeiten verbreiten hilft, lässt tief blicken. Interessieren sich die Freunde des mächtigen Pyrenäenberghundes so wenig für seine wirkliche Geschichte, dass sie jeden Blödsinn nachplappern?

Doch es scheint mehr als nur eine Gedankenlosigkeit zu sein. Die Rassehundezucht zielte von Anfang an auf die Geldbörsen potentieller Käufer. Da machte es sich gut, dass „Rassehunde“ einen  mystischen Abstammungsnachweis gleich mit auf den Weg bekamen. Das war Wert steigernd. Mythen dienten der „Veredlung“  der Rassen! Sie konstruieren „historische“ Zusammenhänge, um das banale Geschäft mit der Hunderassenschöpfung mit höheren, geheimnisvollen Weihen zu versehen und damit Geld zu machen. Ahnen in grauen Vorzeiten zu haben, sozusagen „adeliger“ Abstammung zu sein, war Gold wert. So wie es heute die angebliche Champion-Zucht noch immer ist. Auch diese „geheimnist“ etwas in die Abstammung hinein, das sich Ignoranten viel Geld kosten lassen. Die Mystifizierung ist ein fragwürdiges Unterfangen, das dem Geist des 19. Jahrhunderts entspringt, als man sich anschickte zu glauben, dass der Mensch die Welt neu erschaffen könne.

Egal. Der Pyrenäenberghund kann auch ohne diese maßlose Überhöhung durch Dilettanten auf eine beachtenswerte Geschichte zurückblicken.