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Zwinger

Philosophie

Nach über hundert Jahren Rassehundezucht, geht es nicht mehr darum, Rassemerkmale zu konsolidieren, sondern den Untergang und die drohende Verluste der genetischen Vielfalt des Hundes aufzuhalten, damit unsere Rassehunde eine Zukunft haben. Die Rassehundezucht ist eine hohe kulturelle Schöpferleistung des Menschen. Doch, neben dem Glanz dieser Leistung, wachsen auch die Schattenseiten und die Abgründe, die durch die Übersteigerung der menschlichen Eitelkeit aufgerissen werden.

Jahrzehnte der Inzucht – der Zucht in engen Verwandtschaftslinien – Jahrzehnte des massiven Einsatzes angeblicher „Champions” als Vererber haben de facto dafür gesorgt, dass es fast keine Rassezucht mehr gibt, in der sich nicht massive Erbkrankheiten aufgebaut haben, die früher oder später zum endgültigen Niedergang aller Zuchtrassen führen werden. Dies ist mit populationsgenetischen Methoden nachgewiesen und  wissenschaftlich gesichert. Es ist seit fast zwanzig Jahren bekannt. Doch Schlussfolgerungen werden daraus nur zögernd, oft gar nicht oder rein restriktiv gezogen.

Es besagt leider gar nichts, wenn man seine Hunde auf HD prüfen lässt, aber doch zugleich Championzucht oder Zucht nach Schaurichterkriterien betreibt. Dadurch wird keine Rasse erbgesünder, eher im Gegenteil. Ganz abgesehen davon, dass viele Rassestandards einerseits zu vage, andererseits zu streng und in den meisten Fällen nach vorwissenschaftlichen Kriterien unhaltbare Zuchtmaßstäbe festschreiben.

Für unsere Zuchtarbeit haben wir uns Maßstäbe gesetzt, in denen Gesundheit des einzelnen Hundes wie der gesamten Rasse im Vordergrund stehen. Damit zugleich ist die Wiederherstellung einer hohen physischen und psychischen Leistungsfähigkeit ein weiteres Zuchtziel, das wir verfolgen.

Der intelligente Arbeitshund, der vielseitig sich anzupassen vermag, ist ebenso ein Ziel, das wir nicht aus den Augen verlieren wollen.

Auf Schönheit züchten ist kein Schaden, sofern die anderen Kriterien eindeutig Vorrang haben. Dem Rassestandard zu entsprechen, ist erstrebenswert, doch bei weitem nicht das oberste Gebot der Stunde, solange diese Standards nicht von Irrationalitäten und vorwissenschaftlichen Idiotismen entrümpelt sind.

Rein restriktive Zuchtvorschriften sind und bleiben unakzeptabel, weil durch Championzucht und teils rigoroser Inzucht zuviele Erbanlagen buchstäblich weggezüchtet wurden, um „Rassereinheit” zu erlangen. Restriktionen, die vorgeben Erbkrankheiten bekämpfen wollen, dürfen zugleich nicht dazu führen, dass die Zuchtbasis erneut so eng wird, das der Verlust von Erbgut gesteigert wird. Hier ist ein Weg zurück zu den Anfängen der Weg in die Zukunft.

Zucht ist im besten Sinne professionell zu betreiben, was nicht mit sinnloser Vermehrung und „industrieller Fertigung” von Hunden verwechselt werden darf. Beides lehnen wir als unethisch ab. Ebenso lehnen wir das Züchten im Streben nach Showtiteln ab, wo die genetische Vielfalt zu Schanden geht.

Denn es ist „fünf vor Zwölf” – wie es vor einem Jahrzehnt schon der Vorsitzende des niederländischen Raad van Beheer, Dr. Peter G.M. Prins, gesagt hat.

Diesen Grundgedanken wollen wir folgen und fühlen uns in unserer Zucht verpflichtet, dazu beizutragen, dass der Pyrenäenberghund eine Zukunft hat, die zugleich tiefsten Respekt für sein historisches Erbe bezeugt.

Verpflichtet fühlen wir uns aber auch gegenüber den zukünftigen Besitzern und Haltern unserer Pyris, die mit uns die Freude an der Rasse teilen sollen und Anspruch auf gesunde, vitale, intelligente und schöne Hunde haben. Natürlich werden wir nicht alle Kriterien von heute auf morgen umsetzen und erreichen können. Was wir aber gleich bieten können, ist Offenheit und Transparenz in unserem Zuchtgeschehen.

Dazu gehört auch, dass wir die Käufer unserer Hunde bitten, aus Liebe zur Rasse, so gut es geht, an der Zuchtarbeit mitzuwirken, indem wir versuchen, ihre Bereitschaft zu wecken, uns unsere Nachzucht zumindest in erbgesundheitlicher Hinsicht überprüfen zu lassen. Denjenigen von unseren Käufern, denen das Mühe macht, bieten wir unsere – auch finanzielle – Unterstützung an. Denn wir sind wirklich Hundeliebhaber, denen die Zukunft ihrer Rasse am Herzen liegt.

Denn das, was wir tun, das tun wir mit „heißem Herzen und klarem Verstand”.

Sozialisation