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Der Pyrenäenberghund

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„La chasse de loup“ ( Wolfjagd) heißt dieses eindrucksvolle Bild, das der französische Maler  Jean Baptiste Oudry 1765 geschaffen hat und das heute im Jagdmuseum von Liens hängt.

Es zeigt neben zwei kurzhaarigen Greyhoundartigen Jagdhunden, zwei mächtige Pyrenäenberghunde, die einen Wolf stellen.

Die Pyris haben unser Interesse: Man erkennt die trockenen Köpfe fern jeder molossoiden Abstammung, die mächtigen Gliedmasse, den feurigen Blick und den Willen, dem Feind den Garaus zu machen. Der Wolf konzentriert seinen Blick auf den drohenden Pyrirüden, der gerade herangekommen zu sein scheint und Anstalten macht, mit dem Wolf in den finalen Kampf einzutreten. Keine große Beachtung schenkt der Wolf dem Jagdhund, der seine Kehlmähne festhält. Das ist nicht der Gegner. Der Pyrenäenberghund ist es. 

Zweihundertundsechzig Jahre ist das Bild alt und die Pyris sind von ihrem Phänotyp her ihren heutigen Nachfahren sehr ähnlich. Wie wir einigermaßen gesichert wissen, reicht diese Erscheinung des Pyrenäenberghundes bis ins 15. Jh. zurück. Damals, 1407, so berichtet eine Quelle, wie der Historiker Labedanis Baudette erwähnt, dass im Vorland der Pyrenäen nahe Lourdes die gewaltige Burganlage in Foix von Pyrenäenberghunden scharf bewacht worden sei. Weiter gibt es Dokumente aus dem frühen 18. Jahrhundert, in denen von diesen mächtigen hundlichen Schlosswächtern immer wieder einmal die Rede ist.

Überliefert ist auch die Geschichte, dass der kindliche Kronprinz, der so genannte Dauphin, Sohn des „Sonnenkönigs“ Louis Quatorze, sich bei einem Kuraufenthalt in Barèges in einen solchen „Patou“ verliebt und ihn an den Königshof, den Louvre, mit genommen habe. Dort sei der gesamte adlige Hofstaat von der eindrucksvollen Erscheinung des weißen Hundes entzückt gewesen und es entstand eine Art Mode, diese Patous besitzen zu wollen – ein Trend, den nach der blutigen französischen Revolution das neue napoleonische Großbürgertum eifrig fortgesetzt habe. Ein Kommentator berichtet jedenfalls 1808, dass die Hirten sonntags aus den Bergdörfern zum Markt von Cauterets strömten, um dort ihre Patouwelpen für gutes Geld an die feinen Herrschaften aus Paris zu verhökern. Dieser Handel ging bald über Paris hinaus und diese Patous wurden exportiert.

All dessen ungeachtet blieb der Pyrenäenberghund zugleich in seiner Mehrzahl der Herdenschutzhund der armen Bergbauern, die seine Zuverlässigkeit, Schärfe und zugleich Sanftheit im französischen Teil der Pyrenäen ebenso wie im spanischen zu schätzen wussten. Genau genommen ist also dieser Hund baskisch-katalanischen Ursprungs und vermutlich mit den Maremmanos und den Abbruzzesen in Italien eng verwandt. Dort gab es immerhin schon zur Zeit der Römer weiße Hirtenhunde. 

Marcus Terentius Varro beschreibt in „de res rustica“ schon um etwa 100 v.Chr., dass große, weiße Hirtenhunde die Schafe vor Wölfen und anderen Räubern beschützten. Überhaupt gibt es im Mittelmeerraum viele Hirtenhundrassen, deren Grundfarbe weiß ist: der Akbash an der türkisch-ägäischen Küste, die griechischen Hirtenhunde, die Maremmanos und Abbruzzeses in Italien, der Pyrenäen Mastiff in Spanien und der baskisch-französische Pyrenäenberghund in Frankreich. Da es im Mittelmeerraum einen großen Austausch von Waren, Gütern, Menschen und Tieren bereits in antiken Zeiten gegeben hat, ist es gewiss nicht vermessen anzunehmen, dass alle diese weißen Hirtenhunde eng miteinander verwandt sind und vermutlich ihren Ursprung in Mittelasien gehabt haben. 

Mit den Kuvaszoks aus Ungarn hingegen ist der Pyrenäenberghund vermutlich nicht oder nur ganz peripher verwandt, obwohl denkbar ist, dass auch die osteuropäischen weißen Hirtenhunde mit den mittelmeerischen Hirtenhunden verwandtschaftliche Ursprünge haben.

Aber letztlich: Was soll's. Alle Herdenschutzhunde wurden im Wesentlichen nach den gleichen Grundzügen ihres Nutzens herausgebildet und unterscheiden sich nur nach den Umweltbedingungen, in denen sie ihrer Arbeit nachgingen: ob Steppe oder Waldgebirge, ob sie mit Bär oder Wolf oder Luchs, Leopard oder Gepard überwiegend zu tun hatten. Dies sind die Dinge, die neben den unterschiedlichen Formen der Haustierhaltung, eine Unterschiedlichkeit der Hundeschläge begründeten. In ihren Wesensmerkmalen sind aber alle Herdenschutzhunde einander erstaunlich ähnlich.

Rassen hingegen, wie wir sie heute kennen, wurden erst seit Ende des 19. Jahrhunderts herausgezüchtet und homologisiert. Oft auf schmaler Basis, mit wenigen Stammzuchttieren und durch rigorose Inzucht!